Weniger Kleinklein

07.12.2017

Stellungnahme des VBE Aachen zum Kommentar in der Aachener Zeitung vom 6.12.2017

Oh wie einfach es doch ist, wie wir von Frau Schwede in Ihrem Kommentar zur IGLU Studie lesen können. Würden die Grundschullehrkräfte doch einfach nur mal bei den weiterführenden Schulen nachfragen, dann wüssten sie welches Konzept funktioniert und prompt gäbe es auch bessere Ergebnisse bei der nächsten IGLU-Untersuchung. Ich wage da mal vorsichtig eine Prognose über das Ergebnis: An Brennpunktschulen werden schlechtere Methoden verwendet als in besseren Wohngegenden. Genug der Ironie, dafür ist das Thema viel zu ernst.

Die IGLU Studie bestätigt erschreckenderweise die Studie des VBE aus dem Jahre 2016, nämlich dass die Rahmenbedingungen an Grundschulen kein ordnungsgemäßes Arbeiten mehr unter diesen Voraussetzungen zulassen. Jahrelang hatte das (damals noch von einer grünen Schulministerin geleitete, das muss man fairerweise sagen) Schulministerium es versäumt, die Situation an den Grundschulen in den Blick zu nehmen (Ich erinnere mich daran, beim Thema Inklusion einmal den Satz gehört zu haben: Die Grundschule müssen wir nicht in den Blick nehmen, die schaffen das eh schon wieder irgendwie). Noch im Mai sagte Frau Löhrmann in der AZ, dass ihr von einem Lehrermangel an Grundschulen nichts bekannt sei und die Stellenbesetzung wurde schnell schöngerechnet. 

Statt jetzt über einzelne Methoden zu sprechen, muss die Politik sich ehrlich machen und die Rahmenbedingungen an den Grundschulen endlich verbessern. Noch immer liegt Deutschland im Vergleich zu den anderen OECD-Ländern bei den Pro-Kopf-Ausgaben im Grundschulbereich im unteren Drittel und NRW ist im Bundesländervergleich das Schlusslicht. In Bayern gibt man für jedes Grundschulkind pro Jahr knapp 2.000 € mehr aus als in NRW (Quelle: Statistisches Bundesamt, Ausgabe 2017). Als weitere Baustellen im Grundschulbereich seien beispielhaft genannt:

- Die Grundschule leidet unter einem gravierenden Lehrermangel: Viele Lehrerstellen im Grundschulbereich können nicht besetzt werden, oder werden mit nicht mehr originär ausgebildeten Lehrkräften besetzt, die teilweise ohne jegliche pädagogische Vorqualifizierung in den Unterricht gehen und von den im System befindlichen Lehrkräften gecoacht werden müssen. Ich stelle mir gerade vor, wie groß wohl der Aufschrei wäre, würde man einen Metzger ohne entsprechende Ausbildung als Chirurg beschäftigen. Im Krankenhaus undenkbar, aber die unglaubliche Haltung "das bisschen Grundschule kann ja jeder" macht es scheinbar möglich.

- Grundschullehrkräfte haben die schlechteste Bezahlung aller Lehrkräfte und sind die am schlechtesten bezahlte Berufsgruppe mit Hochschulstudium im öffentlichen Dienst.

- Grundschullehrkräfte haben die höchste Unterrichtsverpflichtung aller Schulformen und dementsprechend auch die wenigste Zeit für Vor- und Nachbereitung.

- Die Grundschule hat die schlechteste Schüler-Lehrer-Relation aller (Pflicht-)Schulformen, d. h. nirgends gibt es im Schnitt so große Klassen wie in der Grundschule!

- Grundschulen haben die geringsten finanziellen Mittel, Anrechnungsstunden, Beförderungsmöglichkeiten usw. Diese Aufzählung ließe sich durchaus noch fortsetzen.

Statt den Grundschullehrkräften und einzelnen Methoden (die übrigens seit Jahren trotz der oben genannten Arbeitsbedingungen, die sich nun noch verschärft haben, gut funktionieren) die Schuld in die Schuhe zu schieben, sollten man eher dankbar dafür sein, dass es Dank des unermüdlichen Engagements der Lehrkräfte nicht noch schlimmer gekommen ist. Weiter müsen die verantwortlichen Politiker endlich den Mut haben, sich ehrlich auf den Weg zu machen, um hier die Bedingungen zum Wohl aller zu verbessern. Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass man Spitzenleistungen nur bekommen kann, wenn die nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt werden.

Matthias Kürten
Vorsitzender
Verband Bildung und Erziehung (VBE)
Städteregion Aachen

 

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